Stätte der Christianisierung

Goldmünze mit Bildnis Kaiser Justinians, 527 – 565, Grab 141

Die Sülchener Grabungen haben es ermöglicht, tief in die Frühzeit des deutschen Südwestens zu blicken und damit unser Wissen von der Christianisierung Südwestdeutschlands beträchtlich zu erweitern. Die Funde aus rund achtzig Gräbern weisen aus, dass die Gegend um Rottenburg nicht nur seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, sondern zu den wichtigen Schauplätzen der Christianisierung Alemanniens zu rechnen ist. Die Grabbeigaben aus dem 6. und 7. Jahrhundert, die der Boden preisgab und die nun im neu errichteten Sülchen-Museum der Öffentlichkeit übergeben werden, illustrieren einen epochalen Übergang: Da findet sich in einem Mädchengrab ein Charonspfennig, der vermutlich der Toten nach vorchristlichem Brauch als Fährgeld für ihre Jenseitsreise mitgegeben wurde, neben frühen christlichen Zeugnissen. So bringen die Kreuzamulette den Glauben an Jesus Christus als den Auferstandenen zum Ausdruck und lassen eine sich allmählich ausbreitende österliche Hoffnung erkennen.

Zu den frühmittelalterlichen Grabungsschätzen, die auffällige Bezüge nach Burgund und zum Frankenreich aufweisen, gehören kostbar verzierte Gürtelschnallen, Schwerter, Messer und Lanzen aus Männer- und Knabengräbern sowie reichhaltiger Frauenschmuck mit Kämmen aus Bein, Perlenketten aus schillerndem Farbglas und Fibeln. All diese Funde faszinieren uns zweifach: Sie öffnen ein Fenster in die Alltagswelt der Menschen dieser fernen Zeit und berühren zugleich eine Menschheitsfrage, die über den Wechsel geschichtlicher Epochen hinaus nichts an Aktualität verloren hat – die Frage nach Tod und Jenseits, nach dem „Was kommt danach?“

Radkreuz, spätes 6. Jh., Grab 141
Gürtelschnalle, spätes 6. Jh., Grab 180
Glasperle, Mitte 6. Jh., Grab 250
Fibeln, Mitte 6. Jh., Grab 250