Gang durch die Epochen

 

Ottonischer Vorgängerbau, Mittelapsis, um 1000

Doch nicht nur die Zeit des frühen Christentums wird durch die Sülchener Funde gegenwärtig: Auch die nachfolgenden Epochen haben markante Spuren ihrer Frömmigkeit und ein reiches Kunsterbe hinterlassen. Um 1000 wurde anstelle der ersten Kirche (um 680) eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit dreiapsidialem Chor erbaut. Dieser Bau war Teil des kulturellen und geistigen Aufschwungs der Ottonenzeit, für den großartige Kunstwerke charakteristisch sind. Liturgie, Kunst und der Anspruch auf herrschaftlich-sakrale Repräsentanz durch Kirchenarchitektur machten „einen großen Sprung“ nach vorn. Dieser in Sülchen durch das Adelsgeschlecht der Hezzonen eingeleitete Aufschwung wirkte bis in die Romanik nach. Der heutige Bau der Sülchenkirche stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und atmet noch ganz die Atmosphäre städtisch spätmittelalterlicher Frömmigkeit und Jenseitsvorsorge.

Das Bauwerk enthält außerdem wichtige Kunstzeugnisse des Barock – etwa die Gemäldeepitaphien Rottenburger Adels- und Bürgerfamilien aus dem 17. Jahrhundert. Die andauernde Bestattungstradition zeigt sich anhand zahlreicher Gräber jener Epoche, die wiederum kulturgeschichtlich bedeutsame Funde hervorbrachten: So lassen die Priestergräber den Wandel von Amts- und Heiligkeitsidealen verfolgen.

Gleiches gilt für die Laien- und Volksfrömmigkeit, deren Entwicklung anhand zahlreicher barocker Grabobjekte – darunter Schabfiguren, Heiligenmedaillons, Sebastianskreuze und Votivfiguren – anschaulich wird.

Romanischer Architekturfries (Spolie), 12. Jh.
Auferweckung des Lazarus, 17. Jh.
Chorkonsole mit Wappen der Familie Hohenberg, 15. Jh.